Ecolodge Marsa Shagra und Ecolodge Marsa Nakari

Zwei Wochen Sonnenschein mit einigen Schattenseiten

Wir sind, nachdem wir im September 2007 zum ersten Mal in der Ecolodge Marsa Shagra waren, wieder zurückgekehrt. Gebucht hatten wir – nach unseren guten Erfahrungen beim ersten Shagrabesuch und in bei den Nemos in Safaga 2008 – wieder über Sub Aqua. Die Anreise erfolgte mit einem Flug von Condor über Frankfurt. Nach Frankfurt ging es mit dem ICE (Rail & Fly) und wir verbrachten eine Nacht in dieser wunderbaren Großstadt im Hotel Adler. Eine günstige und zentral gelegene Unterkunft mit sauberen Zimmern und reichhaltigem Frühstücksbüffet. Frankfurt hat uns auf Anhieb gefallen, im Gegensatz zu München endlich wieder eine Großstadt. Wir haben zwar nicht viel gesehen, aber Hochhäuser, Bahnhofsviertel und City waren schon toll. Wir werden dieser Stadt irgendwann noch mal einen Besuch abstatten. Der Flug lief problemlos, nur leicht ruckelig, wir hatten sogar drei Sitze für uns alleine (Hin und Rückflug). Der Flughafen Marsa Alam ist genauso chaotisch wie alle anderen Ägyptischen Flughäfen auch, mit der Unverschämtheit, dass Gepäckwagen zwei Euro kosten. Jetzt geht es mit dem Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen auch in Ägypten voran.
Leider hat uns Sub Aqua nicht mitgeteilt, dass wir uns an den tollen vollen Neckermann Schalter zu stellen hatten um unser Visum zu bekommen – leider wusste es am Anfang auch keiner vor Ort. Dadurch standen wir zweimal in der falschen Schlange bis endlich jemand wusste, wo die Sub Aqua Gäste hin mussten. Dann wurden wir mit den Pauschalis im Sammelbus von Hotel zu Hotel nach Shagra gekarrt. So hat es über 2,5 Stunden von Landung bis zum wenige Kilometer entfernten Camp gedauert. Visum an der Bank kaufen und von Shagra abholen lassen wäre viel schneller gewesen.

Marsa Shagra

Der nächste kurze Schock kam dann im Camp, wo wir von Markus und Andrea schon erwartet wurden. Shagra war komplett ausgebucht. Ein richtiges Gewusel. Doch unser Schreck währte nur kurz, fast alle hatten am Tage unserer Ankunft ihren letzten Tauchtag. Es sind am übernächsten Morgen über 120 Gäste abgereist und auch die Top-Diver hatten ihr Programm beendet. So übervoll mögen wir es nun nicht so ganz. Wir hatten Glück und es war noch dass äußerste Zelt mit Meerblick frei (Tent Number Seven). Wir hatten die Matratzen und Kopfkissen gar nicht so hart in Erinnerung. In den Royal-Tents waren die auch anders, viel bequemer und weicher. Da scheint ein Tausch stattgefunden zu haben. Leider.
Wenn wir wieder einmal nach Shagra fahren, dann nur Royal-Tents. (Update 2010: erledigt. Das nächste mal Chalet)
Wer gerne weiche Kopfkissen mag, der muss die Royal-Tents buchen oder sein eigenes mitbringen 🙂
Das Essen war in derselben hervorragenden Qualität wie wir es erwartet hatten. Einfach unglaublich leckere ägyptische und internationale Küche. Ein Paradies für alle Naschkatzen. Cola stand jetzt nicht mehr zur Selbstbedienung zur Verfügung sondern wurde von Kellnern gebracht. Da man nicht immer einen Kellner zu Gesicht bekam, ein gutes Geschäft für Shagra, man hat die eine oder andere Cola nicht getrunken. Wasser gab es nur noch in kleinen Plastik-Flaschen (0,6l) nicht mehr in den 1,5l. Die Flaschen konnten überall im Camp aufgefüllt werden. Tee und Nescafe sowie alle anderen Getränke (kostenlose wie kostenpflichtige) waren zu jeder Zeit am Kiosk zu bekommen. Im Kiosk gab es jetzt auch gleich eine größere Auswahl an anderen Produkten (Merchandise, Mitbringsel oder Hygieneartikeln). Diesmal haben wir auch die Beduinenbar besucht, da sie ganz in der Nähe unseres Zeltes war. Auch wenn die Getränke dort nicht im Preis inbegriffen waren, so haben wir doch einige Abende dort den Tee (Zimt, Minze oder Wüstenkräuter) getrunken. Die Bediunenbar ist einer der gemütlichsten Orte im Camp. Jule und Anke haben sich eine Massage gegönnt und waren höchst zufrieden.

Tauchen

Das Tauchen lief im Großen und Ganzen wie gewohnt ab, ein Checktauchgang fiel für uns Wiederholungstäter aus. Die einzige Änderung war, dass man die Ausflüge für den nächsten Tag über einen Touchscreen in der Basis buchen musste.
Das Hausriff war und ist nach wie vor ein sehr schönes Hausriff. Es macht immer wieder Spaß dort zu sein auch wenn man es ihm schon ein bisschen anmerkt, dass es sehr stark betaucht wird. Der Massenbetrieb, der hier teilweise herrschte hat mit dem Eco-Gedanken nichts zu tun. Shagra könnte sich hier ein Beispiel am Mövenpick nehmen und die Taucherzahl drastisch reduzieren. Anstelle mit den Royal-Tents die Bettenkapazität noch zu erhöhen wäre eine Kapazitätssenkung mit gleichzeitiger Preiserhöhung für das Riff bestimmt lohnenswerter.
Neben den Hausrifftauchgängen haben wir den obligatorischen Ausflug nach Marsa Abu Dabab gemacht (letztes Mal hatten wir ja keine Kamera dabei). Die Seekuh haben wir nicht gesehen – wir haben aber mitbekommen, wie eine Gruppe von Tauchern sie zwei Tage vorher gesehen hat. Sie scheint also noch zu leben.
Marsa Shoni
wurde auch wieder angeboten, ist aber nicht derselbe Platz wie damals, da dort jetzt ein Hotel steht. Leider.
Elphinstone stand auch auf dem Programm. Wieder keine Strömung, wieder keine Haie. Wie übrigens den ganzen Urlaub. Wir haben keinen Hai zu Gesicht bekommen.
Nach einer Woche ging es dann von Shagra nach Nakari.

Ecolodge Nakari

Speisesaal Nakari

Nakari ist das Gegenteil von Shagra, eher klein und persönlich anstelle von groß und routiniert. Teilweise waren neben uns vieren nur noch ein französisches Pärchen vor Ort. Nach ein paar Tagen kamen dann andere Franzosen und ein nettes dänisches Pärchen (Grüße an Bettina und Steen). Das Essen in Nakari war teilweise noch besser als in Shagra, der Service im Restaurant erstklassig. Ein großes Lob an das Personal im Restaurant, sie haben uns jeden Wunsch erfüllt. Besonders erwähnenswert ist die leckere Schockosoße zu den Bananen. Die Zelte waren genauso wie die Woche zuvor, mit dem Unterschied, dass auch die Royal-Tents unbequem waren. Da wir die ganze erste Woche neidisch auf Markus und Andrea waren, da sie so schöne Kopfkissen hatten, fanden wir das jetzt gerecht. Aber die Strafe der zwei für eine Woche bequem schlafen war noch viel höher. Sie hatten Moskitos, Schnaken oder Mücken im Zelt und wurden immer von denen gepiesackt. Wir hatten erst in der letzten Nacht eines der Plagegeister in unserer einfachen Behausung.
Die ägyptische Lümmelecken am Strand und am Kiosk waren toll, hier konnte man richtig gut entspannen. Tee und Kaffee konnte man sich vor dem Kiosk selber machen, leider haben sie es trotz sechs Gästen nicht immer auf die Reihe bekommen genügend Tassen vorrätig zu haben. Tassen scheinen nicht nur in Mexico ein Problem zu sein. Leider war das Angebot an Produkten im Kiosk auch eingeschränkt. Es gab nur noch T-Shirts in der Größe M, die sogar an Marcel sehr körperbetont saßen..
Die Hygiene der sanitären Einrichtungen war auch in Nakari hervorragen. Unser erster Eindruck von Nakari war, dass es hier noch netter als in Shagra sein könnte.

Tauchen

Bevor wir das Hausriff betaucht haben, sind wir am ersten Tag mit dem Speedboot zu Sharb Nakari (ein sharb el Erk mit Dropp off) gefahren. Unser Guide ist eine komische Route getaucht und hat die ganze Zeit mit Gerassel genervt. Nach kurzer Pause an Land ging es zu Habili Nakari. Schöne Erks mit tollen Weichkorallen. Dank der Oberflächenpause von weniger als einer Stunde gab es dann doch ein paar Minuten Deko. Normalerweise werden die beiden Spots ohne Landgang zwischendrin angefahren. Da Marcel aber im Trocki tauchte und seine Pinkelventilanschlüsse vergessen hatte, kamen wir in den Genuß unsere Oberflächenpause an Land zu verbringen. Dies ist ein absolutes plus. Bettina und Steen durften bei ihrem Besuch dieser Tauchplätze über eine Stunde auf dem schaukelnden Speedboot verbringen.
Das Hausriff ist bei weitem nicht mit Shagra zu vergleichen. Zumindest nicht tagsüber. Es ist nicht so bunt und dank seiner offenen Lage durch Wind und Wellen etwas mitgenommen. Was aber dazu führt, dass ab und an was Größeres (Fischschwarm oder auch ein großer Gelbflossenthun in der Nacht und ein recht ansehnlicher Riesenzacki) vorbeikam.
Nachts ist es weit aus besser als Shagra, da kaum jemand im Wasser war und die Tiere nicht verscheucht wurden tobt das Leben. Wir hatten sehr viele Gelblippen-Kopfschildschnecken, die in Paarungslaune waren, einen sehr großen Seehasen, viele Feuerfische und haufenweise Maskenkugelfische.
An Muränen (Gelbkopf, Graue-, Lippfleck- und Riesnenmuräne) war auch kein Mangel. Der zweite Ausflug sollte zum Wrack von Abu Ghossun gehen. Leider hat unser Guide beim ersten Tauchgang das Wrack nicht gefunden. Dies bracht ihn dann doch erheblichen Hohn und Spott ein, da er immer auf dem „Please follow the guide“ bestanden hatte. Das war hier Nannyfaktor 15.
Beim zweiten Tauchgang hat Jule dann das Wrack gefunden, unser guter Guide war wieder etwas weit links… Naja, es war im alles unendlich peinlich und wir haben nix gesagt. Am nächsten Tag ging er in seinen verdienten Weihnachtsurlaub.
Jetzt begann erst der richtige Ärger. Am nächsten Tag schmeckte die Luft von Marcel beim Tauchgang sehr stark nach Öl. Nach dem Tauchgang haben wir es der Aufsicht am Diving Shade gesagt, er hat es wohl nicht ganz zu deuten gewusst. Die Luft vom nächsten Tauchgang schmeckte dann bei allen muffig nach Gummi und leicht nach Öl, aber nicht so schlimm wie zuvor bei Marcel. Anschließend haben wir an allen Flaschen geschnuppert. Überall das Problem. Daraufhin haben wir Mobarak bescheid gegeben und alle DIN Flaschen wurden abtransportiert.
An tauchen war heute nicht mehr zu denken. Am nächsten Tag ging es zu Sharb Sharm. Dort hatten wir zwei tolle Tauchgänge mit frischer Luft und einem klasse Guide Ehab. Er hat sich beim zweiten Tauchgang im Kampf mit einer Dornenkrone verletzt und Marcel die Aufgabe als Guide übertragen. Leider hatte er keine Rassel 🙁
Am nächsten Tag ging es nach Marsa Fukeri und die Luft schmeckte wieder schlecht. Marcel hat dann das Nitrox vom Guide bekommen und es gab genügend Flaschen, dass für jeden relativ sauberere Luft zur Verfügung stand. Abends durften wir dann mit Nitrox tauchen. Am nächsten Tag gab es dann frische Luft aus Shagra.
Aber wie kann es sein, dass mit Atemluft so schlampig umgegangen wird, dass sogar am übernächsten Tag, nachdem wir die schlechte Luft gemeldet hatten noch immer mit öliger und muffiger Luft tauchen durften? Das kann und darf nicht passieren.
Einen weiteren kleinen Aufreger gab es noch am letzten Tag als wir nach Sharb Samadai (Dolphine House) gefahren sind. Der erste Tauchgang ging dem Guide hinterher, größtenteils zehn bis fünfzehn Meter über dem Sand. Nach dem wir unsere Kritik geäußert hatten, war der zweite Tauchgang durch einen Canyon und ans Drop Off schöner.
Nach dem Mittagessen wollten wir noch Schnorcheln, in der Hoffnung, dass die Delfine sich doch blicken ließen. Leider hatte unser Guide vergessen zu erzählen, dass um 14:00 Sharb Samadai zu verlassen ist. Wir hatten ihm mehrmals gefragt, wann wir schnorcheln gehen könnten. Es hieß immer „we will see…“. So wurde es ein fünf minütiges Speedschnorcheln. Eine ärgerliche Sache, da vorher genügend Zeit gewesen wäre und wir extra gefragt hatten. Die Gruppe aus Shagra war von ihrem Guide informiert worden, dass um 14:00 Uhr Schluss ist. Da von denen aber erst keiner Schnorcheln wollte, ist es uns nicht aufgefallen. Das Schnorcheln erfolgt grundsätzlich mit Schwimmweste und ohne Blei, damit niemand Apnoe zu den Delphinen kann.

Wir haben unsere Kritikpunkte dann auch schön im Feedbackformular angegeben. Besonders, dass wir nicht zurück nach Nakari kommen würden und es aufgrund der schlechten Luft keinen empfehlen würden. Solange sich in der Leitung von Nakari nichts ändert, werden wir dort nicht mehr den Urlaub verbringen. Daran ändern auch die 10% Rabatt nichts, die wir auf unsere Tauchgangskosten bekamen. Wer es an mehreren Tagen nicht schafft für saubere Luft zu sorgen sollte keine Tauchbasis leiten. Wir werden unsere Beschwerde auch direkt ans Red Sea Diving Safari Management  weitergeleitet.
Positiv zu erwähnen bleibt in Nakari das Personal im Restaurant, all die kleinen Helfer im Hintergrund (Reinigung, Fahrer) und unser Guide Ehab. Außerdem ist Nakari nach dem ganzen Trubel in Shagra eine ruhige Oase der Erholung. Die Nachttauchgänge werden uns auch in unvergessener Erinnerung bleiben.

Fazit

Im Großen und Ganzen war der Urlaub trotz des Ärgernisses mit der Luft in Nakari sehr schön. Shagra scheint noch einen kleinen Schritt “professioneller” und geordneter geworden zu sein. Leider ist es für das Riff und seine Bewohner nicht so toll, dass solche Massen dort Urlaub machen. Besonders nachts merkt man, dass viele Bewohner woanders zum Schlafen hingehen. Nakari ist da das totale Gegenteil. Dort steppt nachts der Bär und die wenigen Taucher, die im Wasser sind, können das Riff und sein nächtliches Leben ausgiebig genießen. Nakari fehlt der Massenbetrieb und die „Professionalität“ von Shagra, was es auf der einen Seite sehr liebenswert macht aber auf der anderen Seite zu den Ärgernissen mit der schlechten Luft geführt hat.
Mit Abstand betrachtet ist Nakari schon eine Alternative zu Shagra, wenn man den richtigen Guide erwischt, der Kompressor funktioniert und das Wetter stimmt. Das Hausriff ist auf Grund seiner Lage anfälliger für schlechte Sicht als Shagra. Momentan fällt es schwer für Nakari eine positive Empfehlung abzugeben. Wäre das Problem mit der Luft nach der ersten Beschwerde dauerhaft behoben gewesen, hätten wir den Mantel des Schweigens darüber gebettet. Wer Ruhe und Erholung will, der muß bei Shagra genau drauf achten, dass gerade nicht Vollbelegung ist, andernfalls ist er in Nakari sehr gut aufgehoben.