Lost Place, tolles Tauchen in Nuweiba und eine familiäre Basis

Blick vom Wasser

Blick vom Wasser

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Dieses Jahr konnten wir die Reise ins beschauliche Nuweiba endlich antreten um mit dem Scuba College (Nachtrag 2015: Das Scuba College ist Geschichte – es hat leider geschlossen…) tauchen zu können. 2011 hat die Revolution und die dadurch geschürten Ängste bei den Reiseanbietern und Fluglinien das noch verhindert. Condor hatte ja mit einem Handstreich unseren Flug storniert. So dass wir nach Marsa Shagra ausweichen mussten.
Diesmal lief alles problemlos, trotz einiger Anschläge im Norden des Sinai, gingen noch Flüge von Süddeutschland aus nach Sharm El Shaik. Im Norden Deutschlands sieht es grundsätzlich schlechter aus, von dort fliegt Condor auf absehbare Zeit nicht mehr auf den Sinai. Taba wird unseres Wissens gar nicht mehr von Deutschland aus angeflogen und bei einer Anreise über Kairo kann es wohl Probleme mit dem Transfer geben, da Ägypten ungerne Touristen durch den Nord-Sinai fahren (lassen) möchte.

Dorniges Seepferdchen

Dorniges Seepferdchen

Auf dem Hinweg hat man nichts von einer bedrohlichen Sicherheitslage gemerkt, die Check-Points waren nicht stärker besetzt als bei früheren Reisen auf den Sinai auch. Nach den gewaltsamen Protesten in Kairo und der restlichen islamischen Welt als Reaktion auf diesen antiislamischen Film, wurden die Sicherheitsvorkehrungen wohl erhöht. Am Hotel war plötzlich wieder Security und ein Körperscanner aufgebaut. Auf dem Rückweg wurden dann an einem Check-Point bei Sharm sogar unsere Pässe kontrolliert. Naja, sie haben ja in Ägypten ein Problem mit europäisch aussehenden Terroristen.

Seepferd bei Nacht

Seepferd bei Nacht

Negativ aufgefallen waren uns  aber einige der ein- und ausreisenden Touristen,  wir konnten z.B. einen Mann beobachten,  schon total besoffen aus dem Flieger torkelte und den Mann an der Passkontrolle umarmte und lallte: „I love Egypt, I love Egypt...“ oder die vielen anderen. die bei der Abreise sich in der Wartehalle die Birne zuschütteten. 
Also ich wunder mich nicht, dass viele, die mit dem Tourismus zu tun haben eine islamische oder islamistische Partei gewählt haben. Es ist schon eine gewisse Respektlosigkeit, die dort an den Tag gelegt wird.
Aber es ist auch die Bigotterie der Ägypter, dass sie das dulden und nicht einfach den Alkoholausschank am Airport abschaffen und besoffen Einreisende wieder nach Hause schicken. Aber die Fokussierung auf Low-Budget-Tourismus mit AI-Saufen zieht natürlich auch nicht die mit guten Benehmen gesegneten Gäste (Invasoren?) an…

Nuweiba

Sepia spielt Seegras

Sepia spielt Seegras

Nuweiba selber ist ein Lost Place und könnte teilweise als Kulisse für etliche 80er Jahre Endzeit oder Zombiefilme gedient haben. Es gibt nicht mehr viele offene Hotels, sie haben geschlossen und verfallen, dazu ist die Auswahl an Geschäften eingeschränkt und das Angebot, was es dort zu kaufen gibt ist sehr begrenzt. Selbst Wasser kann knapp werden.
Der Stadtteil Tarabeen, der früher an das alte Dahab erinnert haben soll, verfällt auch immer mehr, die meisten Läden stehen leer und verkommen, die Restaurants an der Promenade haben überwiegend geschlossen oder pausieren. Trotzdem kann man dort bei Anruf und Vorbestellung sehr lecker und günstig essen.
 Man sieht, dass Nuweiba schon mal bessere Zeiten erlebt hat und nun langsam vergeht.

Hausriff

Hausriff

Aber man kann sich, auch nachts, sicher und frei dort bewegen und Essen und Einkaufen. Die Sicherheitslage scheint, soweit man das beurteilen kann, vollkommen unbedenklich zu sein.
Selbst ein gutes Koreanisches Restaurant gibt es im Ort, direkt gegenüber vom Scuba College. Das Little Prince, gegenüber von der Moschee mit dem dauernd quakenden Lautsprechern, ist zu empfehlen. Dort gibt es leckere Eiscreme auf Obst. Der Besitzer ist von seiner Eiscreme  sehr überzeugt, so droht er doch, wenn es einem nicht schmecke, dass er sich den Haien zum Fraße vorwürfe…
Eine von Kopten betriebene Apotheke im Zentrum hat alle notwendigen Medikamente und Hygieneartikel verfügbar oder kann sie besorgen. Gerne auch in größeren Mengen.

Unterkunft

Hausriff

Hausriff

Unterkunft scheint momentan, neben der Anreise, ein etwas größeres Problem für Nuweiba zu sein. Das Hotel neben dem Scuba College gehört nun  nicht zu den gehobenen Hotels, aber es tut sich wohl etwas. Der neue Manager lässt sanieren und alles schön herrichten. Andere Hotels haben leider geschlossen oder liegen weit weg von der Tauchbasis.
Wir haben im zum Hotel zugehörigen Camp übernachtet, was eigentlich keinem zu empfehlen ist. Man braucht schon etwas stärkere Nerven und eine hohe Portion an Gelassenheit und Toleranz. Die Hütten sind überhaupt nicht betreut, dass heisst keine Roomservice (neue Bettwesche, Fegen, Müll-Entleerung) durch das Hotel. Wenn man etwas will, dann muss das Divecenter das organisieren, was sie auch immer prompt und zur größten Zufriedenheit machen. Selbst Toilettenpapier muss nachgekauft werden, wenn die Anfangsbestückung alle ist.
Die Toiletten wurden auch nur auf Nachfrage gesäubert und dann aber auch annehmbar. Als wir nur alleine in den Hütten waren, war das nicht weiter tragisch, aber als eine Reisegruppe aus der Wüste eintraf wurde es etwas, sagen wir, unangenehm…
Die Hütten verfügen über eine (sic!) Steckdose und natürlich nicht über Aircon. Es ist also nachts recht heiß. Dafür gibt es ein Moskitonetz, was man auch bräuchte, wenn es darunter nicht noch heißer wäre. 
Das ägyptische Mückenspray reicht für ca. 3 Stunden und muss dann erneuert werden. Zum Glück jucken die ägyptischen Mückenstiche nur für gut eine Stunde.

Pipeline

Pipeline

Ach ja, die Fenster gehen auf, wenn man sie zur Seite schiebt und nicht versucht aufzuklappen. Als wir das dann auch gerafft hatten, hatten wir angenehme Nächte. Tür auf, Ventilator in die Tür stellen und Fenster auf und man hat angenehmen Durchzug.
Die meiste Zeit waren wir die einzigen Gäste in den noch benutzbaren 5 Hütten. Ringsum verfiel alles. Eine reichlich skurrile Atmosphäre und zu ängstlich sollte man auch nicht sein, weil es schon recht einsam ist. Auch wenn auf dem Nachbargrundstück die Polizei ist und noch nie etwas passiert ist und es auch noch einen Wachdienst gibt. Aber mit zu viel Phantasie erwartet man die ganze Zeit den Angriff der Zombies…
Das nächste mal würden wir wohl eher ins Hotel gehen, denn die Anlage hat Potential. Gewohnt wird da in einstöckigen Bungalows mit kleinen Lampen davor, was nächtens sehr schön anzusehen ist.

Tauchbasis Scuba College

Partnergarnele

Partnergarnele

Die Betreuung auf der Tauchbasis ist großartig gewesen, wir haben uns, als Petra wieder da war, pudelwohl dort gefühlt. Leider ist Petra nicht in den Genuss der mitgebrachten Gummibärchen gekommen, denn diese haben wir am ersten Abend selber gefuttert, da die Küche so spät schon geschlossen war… das nächste mal bringen wir dafür eine leckere Salami mit.

Die Atmosphäre auf der Basis war unglaublich familiär und angenehm. Das haben wir vorher noch nirgendwo so erlebt. Auch die anderen Gäste, alles Wiederkehrer und Stammgäste, waren ausgesprochen nett. Eine unglaublich chillige Basis, besonders da man die Chance hat oft auch mal der einzige Gast zu sein. Wenn man zeitlich flexibel ist und gerne seine Ruhe möchte, vorher mit Petra einen passenden Termin suchen und der Relax-Tauchurlaub kann beginnen…
Achmet, der Koch, war (leider) auf Hochzeitsreise, so das Mustafa das Kochen übernehmen musste. Es ist ihm aber sehr gut gelungen, denn die Abendessen waren immer lecker und vom Preis her waren die Fleischmenüs mit 50 Pfund auch nicht übermäßig teuer.

Hausriff

Hausriff

Das Frühstück war schon karger. Fladenbrot, manchmal ein Brötchen, Ei (meist gekocht), eine Scheibe Dosenwurst, eine Scheibe Käse, Tomaten und Gurken, Butter, Frischkäse und ab und an Cornflakes sowie ein Tütchen Saft. Es hat gereicht und bei Übernachtung mit Frühstück für 15 Euro auch preislich passend. Man muss halt auch immer die Versorgungslage dort vor Ort bedenken. Sonderlich viel Auswahl hat man da nicht im Supermarkt zum Einkaufen. Auf einer Malediveninsel wo ich 100 Euro pro Nacht bezahle, da erwarte ich halt mehr als bei diesem kleinpreisigen Angebot. Und wenn jemand mehr braucht um morgens satt zu werden, einen Nachschlag hätte es bestimmt immer gegeben.
Mittags gab es leckere Snacks für kleines Geld, entweder Falafel mit Brot, Thunfisch oder Fetasalat, Pfannkuchen und Pommes mit oder ohne Currywurst. Abends dann das Hauptgericht. Wasser und andere Getränke konnten immer an der Bar gekauft werden.
Ansonsten machte die Basis einen aufgeräumten und organisierten Eindruck ohne Hektik und Sterilität der großen Massenbasen. Wer Ausfahrten mit 20 Leuten in der Gruppe mag, der ist beim Scuba-College fehl am Platze.

WLAN war nicht verfügbar. Viele werden das genießen für einen Blogger und News-Junky ist es schon schwer ohne Internet…

Tauchen in Nuweiba und Umgebung

Pipeline

Pipeline

Angefangen hat das Tauchen mit dem normalen Check-In-Prozedere. Bogen ausfüllen, ggf. TTU vorlegen, Brevets abgeben, Logbücher zeigen. Anschließend ging es zum Check-Tauchgang mit Maske ausblasen, Atemregler wiedererlangen und Out-Of-Air-Situation simulieren. Durfte auch schwebend absolviert werden, man muss sich nicht ins Gras hocken…
Dann hat uns Torsten beim ersten TG das Nordriff gezeigt und beim zweiten Tauchgang das Südriff. Beim Südriff hat Jule dann gleich Seepferdchen entdeckt, sich wahnsinnig gefreut und dadurch ein wenig gebummelt… Bummelig wurden dann alle unsere Tauchgänge. Die durchschnittliche Tauchgangszeit betrug  84 Minuten. Der Längste Tauchgang hat knapp zwei Stunden gedauert. Insgesamt waren wir fast 40 Stunden mit dem Kopf unter Wasser – das ganze bei 12 Tauchtagen (mehr als 3 Stunden am Tag) und 28 Tauchgängen.

Ras Mamla

Ras Mamla

Glücklicherweise konnten alle Hausrifftauchgänge, auch nachts, ohne Guide absolviert werden. Geguidet tauchen ist einfach nichts für uns und wird immer mehr zu einem No-Go. Man wird halt immer sonderlicher und als Fotograf ist man das sowieso schon…
Wir haben überwiegend nur Hausriff getaucht. Da es kein Nitrox gab, hatten wir keine Lust auf Ausfahrten, außerdem mögen wir dieses frühe Aufbrechen nicht so gerne. Da müssen dann schon viele Haie wie in Palau warten…
Wir haben an Ausfahrten nur zweimal Pipeline, wegen der tollen Weichkorallen, und einmal den Tagestrip nach Ras Mamla mitgemacht. Alle drei Trips waren traumhaft schön. Pipeline ist ein unglaublich tolle Tauchplatz für Fortografen jeder Art. Dort gibt es sehr viele Chromodrisse für die Makrojünger und für die Weitwinkelfans tolle rote Weichkorallen.
Ras Mamla hat ab 20m eine tolle Steilwand mit Gorgonien und dort ist alles sehr intakt. Im Flachbereich hat das Riff durch seine exponierte Position im Laufe der Jahre schon gelitten aber trotzdem noch sehr schön anzusehen.

Anglerfisch

Anglerfisch

Die Hausrifftauchgänge waren alle spitze, auch wenn das Riff von der Landschaft nicht spektakulär ist und die Sicht manchmal mies war, so ist die Artenvielfalt an kleinem Getier immens. Alleine die Seepferdchen und tolle Krebse und Krabben, die vielen bewohnten Haarsterne und der Mimikry-Oktopus sind schon eine Reise wert. Jule hat sogar noch einen sehr kleinen Anglerfisch entdeckt – und das außerhalb der Saison.
Man merkt, dass die Gegend nicht (mehr) stark betaucht wird. Die Feuerfische vor Ort sind weder scheu noch aggressiv, man kann mit ihnen im Wasser wunderbar spielen und tolle Fotosessions mit ihnen abhalten. Weichkorallen finden sich im Hausriff in allen Tiefen.

Mimikry-Oktopus

Mimikry-Oktopus

Nachttauchgänge haben wir nicht viele gemacht. Dies war im Großen und Ganzen zwei Faktoren geschuldet. Erstens sah man auch am Tage genug von dem, was man woanders eigentlich nur in der Nacht sieht und zweitens war es uns mit 18:00 Uhr für einen Nachttauchgang im September zu früh. Das ist aber auch immer Geschmacksache, denn andere Taucher lieben gerade diese Zeit des Wechsels.

Den Nannyfaktor würde ich bei 10% einordnen. Bei den Ausfahrten könnte er aber manchmal auch höher liegen, aber andererseits auch wieder darunter.

Fazit

Dorniges Seepferdchen

Dorniges Seepferdchen

Eine Tauchbasis mit so einer tollen Atmosphäre haben wir bisher noch nicht gehabt. Das alleine ist schon ein Grund wiederzukommen, selbst wenn man nicht taucht. Petra bietet nämlich im Winter u.a. Kameltrackings in die Wüste an… 

Das Hausriff zu betauchen macht Spaß, es ist zwar nix für Tieftaucher aber Critterfans kommen auf ihre Kosten. Auch die Pipeline ist ein Grund für sich um wiederzukommen. Die Weichkorallen sind einfach nur traumhaft schön. Ungünstig war, dass außer Mike, der gerade nicht vor Ort war, keiner Nitrox füllen kann. Wenn man unbedingt Nitrox benötigt, dann bitte vorher mit Petra abklären.
Schwieriger ist wirklich nur die Unterkunftssituation. Die Hütten würden wir, so wie sie jetzt sind und betrieben werden, nicht nochmals nehmen. Das haben andere Camps besser im Griff, aber dafür kann das Divecenter nichts. 
Das Hotel würde unseren Ansprüchen dicke genügen aber für Pingels und Prinzessinnen auf der Erbse ist das nichts.
Die Sicherheitslage war perfekt, Mann und Frau können sich unbeschwert frei bewegen. Man sieht sogar unverschleierte einheimische Frauen in Nuweiba, was in Marsa Alam eher seltener vorkommt.

Wir kommen wieder und drücken allen in Nuweiba die Daumen, dass endlich wieder wirtschaftliche Normalität in Ägypten Einkehr hält.

Wir sagen Danke an alle vom Scuba College für die tolle Zeit.
Danke, Achmet,  Mustafa, Petra und Thorsten sowie unseren Beduinischen Fahrern.

Danke auch an unsere Mittaucher Marie und Michael für die  schöne gemeinsam Zeit.

Wir sollen noch von Flecki, der Basiskatze, ausrichten, dass die Versorgungslage mit Katzenleckerlis gaaaanz schlecht ist…

Nachtrag 2015: Das Scuba College ist Geschichte – es hat leider geschlossen…

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