Ein wirklich verregneter Urlaub

Royal Gibraltar Regiment vor dem Buckingham PalastWir hatten uns relativ spontan entschlossen in der Woche vor dem ersten Mai nach London zu fliegen um dort u.a. ein paar schöne Fotos zu schießen. Da London zur Zeit eigentlich unter Trockenheit zu leiden hatte, haben wir uns um das Wetter keine großen Sorgen gemacht, auch wenn unsere Reisrücktrittsversicherung eine Sonnentagsklausel hat (Erstattung von 25 Euro pro Person und Tag bei mehr als 10mm Regen laut www.wetter-online.de). Und gut, dass wir die Versicherung hatten. 100 Euro bekommen wir erstattet. Es hat nämlich die ganze Zeit geregnet und war dazu noch sau kalt. Währenddessen schien in München die Sonne bei 30°C. Ausgleichende Gerechtigkeit mag man denken, da wir die kältesten Tage Jahres auch verpasst hatten, warum nicht auch die wärmsten bis dahin…
Blick von Londonbridge auf TowerbridgeLondon bei Regen ist wirklich unspannend. Die Museen sind dann natürlich total überlaufen (in das naturhistorische Museum sind wir nicht rein, da die Schlange Kilometerlang war). Shopping hat bei so einem Wetter auch nicht richtig Spaß gemacht – aber richtig voll war die Oxford-Street am Montag, als es nicht geregnet hatte. Wahnsinn. Dagegen ist die Münchner Innenstadt im Advent leer…
Fotografieren ist bei Regen auch nicht der Hit, London Eye und Themse auch nicht. Aber gut, dafür kann London nichts.

Das Hotel

Picadilly CircusWir haben über dem New Market Ale House in Camden übernachtet. Wir würden es nicht  weiterempfehlen und auch nicht noch einmal buchen. Das Gute ist, dass es direkt an zwei Buslinien liegt, die 24h fahren. Man ist also schnell überall. Die eine fährt zur Camden Hight Street mit Camden Market und Stables Market und die andere fährt über Kings Cross direkt die City an.  Das war es eigentlich schon am Guten. Ach nein, die Zimmer waren trotz Dauerregens trocken. Und WLAN im Zimmer war kostenlos genauso wie Nescafe und Tee.
Zimmer im New Market Ale HouseNachteilig sind die Größe, ähm Winzigkeit, des Zimmers und des Bades. Das Bett war sogar für uns fast zu klein, Im Bad kann man, wenn man über 1,70 ist nicht auf dem Klo sitzen und die Tür schließen.
Das Frühstück ist ein Witz. Ein Versuch von kontinetalem Frühstück, was im Pub eingenommen werden kann – sehr düster. Gut, dass in England schon seit längerem Rauchverbot in Pubs herrscht, sonst würde es dazu noch nach Rauch riechen.New Market House - Bathroom
Aber am nervigsten war, dass man im Zimmer abends immer die Musik vom Pub gehört hat. Jule konnte dabei zwar einschlafen, Marcel aber nicht. So zwischen 11-und 01 wurde es dann leise. Am schlimmsten war der Sonntag, da ist dann im Pub eine Party mit mieser Discomucke *graus*. Laut und lange. Also für den Preis (595 Pfund für 7 Nächte) ist es einfach nicht zu empfehlen.

Das Essen

Punk in CamdonNach England fährt man nicht um eine kulinarische Erlebnisreise zu machen, aber dass es so schlimm sein kann…
Fangen wir mit dem leckeren an:
Fish & Ships sind eine feine Sache. Machen satt und schmecken. Leider Fett ohne Ende. Werde ich (Marcel) hier aber vermissen…
Full English Breakfast ist für die, die es mögen eine feine Sache (wir) und geht eigentlich auch jeden Tag. Leider Fett ohne Ende.
Wenn man so glücklich ist und ein echtes englische Café findet, dann bekommt man leckeren Kuchen und mit noch mehr Glück einen gescheiten Tee.
Wieso Glück?
London ist überschwemmt von Franchiseing-Ketten. Starsucks, Eat, Pret-A-Mager (machen einen auf gesund, Weißbrot in Plastikverpackung und Pappbecher), Nero (bester Kaffee von den Ketten), Costa, Apostrophe (bestes Futter, wenigster Verpackungsmüll)… Da gibt es nur Einheitsfraß mit einem unglaublichen Verpackungsaufwand. Für uns Deutsche unvorstellbar, was da alles an Papier, Pappe und Plastik benötigt wird um Chemie-Essen zu verpacken.
Cafe im Stables Market CamdonWenn man dann ein Englisches Café entdeckt hat, in dem man eventuell noch von echten Engländern höflich bedient wird – und nicht von unfreundlichen Osteuropäerinnen – dann gibt es nur Teebeutel-Tee. Ich dachte immer, das darauf in England, der Heimat der Teekultur, noch Gefängnis steht. Teebeutel in England. Zum 4 o´clock tea? Irgendwie das Ende des Abendlandes.
Genug über das Essen gemeckert. Was wirklich lecker ist, sind die asiatischen Restaurants und Take-Aways. Wir waren bei einem leckeren Koreaner in Soho und einem tollen Inder in Camden. Aber auch in England gilt, wie überall. Die Inder sind teurer als die anderen Restaurants.

Was gar nicht geht ist Kaffee. Wie kann man Bohnen bloß so fürchterlich rösten? Da geht man in eine Espressobar, an der ein Lavazza-Schild ist und was bekommt man? Gruselkaffee…

Kultur

Maske im MuseumEin paar Sehenswürdigkeiten haben wir uns natürlich auch angeschaut.
Als erstes waren wir im British Museum (kostenlos). Dort kann man die geraubten imperialen Kunstschätze und Kostbarkeiten anderer Länder bestaunen. Recht interessant.
Dann waren wir noch im Science Museum (kostenlos). Wenn man auf Dampfmaschinen und Schiffsmodelle abfährt recht interessant. Für Kinder viele interaktive Lernspiele. Lohnt nicht unbedingt.
Zum Schluß waren wir noch bei Madam Tussauds. das War recht lustig und ein paar der Prominenten waren sehr gut dargestellt. Auch unsere Mutti war da, im Gegensatz zum Berlusconi…
Ganz im Gegensatz zu diesen vollen touristischen Orten war das  Grab von Karl Marx im Regen eine richtig entspannende “Attraktion”.
Westminster Abtei, St. Pauls oder den Tower haben wir nicht besucht, dort war es zu voll, herrschte teilweise Fotografieverbot  und Kirchen gibt es überall auf der Welt. Dafür waren wir auf dem Camden Market und in den Stables Market. einer Mischung aus Flohmarkt, Auer Dult und Polenmarkt. Auch wenn man nichts findet, so macht  es doch Spaß dort zu stöbern.
GrauhörnchenDann waren leider auch die Bärenfellmützensoldaten nicht vor dem Buckingham Palast. Zur Zeit ist dort das Royal Gibraltar Regiment stationiert. Das war die größte Enttäuschung für mich.
Zum Ausgleich gab es zahme Grauhörnchen im Park 🙂

Stadt

CamdonDie Stadt selber ist total faszinierend. In der Innenstadt hat man das Bankenviertel, was mit seinen Hochhäusern ein bißchen an Frankfurt erinnert. Daneben dann die Einkaufsstraßen mit den mondänen Stadthäusern und draußen wohnen die Leute in den kleinen dreistöckigen Häusern.
Dazu hat man in der Innenstadt einen Stau aus roten Bussen und Taxis. Immer alles voll, Trubel und Leben. Der Verkehr ist ein bisserl chaotischer als hier bei uns. Aber deutsche Städte wurden nach dem Krieg ja auch verkehrsplanerisch besser aufgebaut. London ist gewachsen und das merkt man der Stadt an.
Big BenEs macht richtig Spaß mit den roten Dopeldeckerbussen kreuz und quer durch die Stadt zu fahen. Und Dank Oystercard ist es auch nicht so teuer.

London ist ein bisschen dreckiger als München, aber sauberer als Berlin. Gefühlt war London sehr laut, besonders auch in den Cafès. Immer ein wenig zu laute Musik.

Ich weiß nicht, ob der Eindruck täuscht, aber die Londoner  scheinen dem Feierabendbierchen sehr angetan zu sein. So gegen 17:00 stehen überall vor den Pubs Männer in Anzügen und trinken Bier…

Und es gibt unglaublich viele Touristen in der Stadt und Menschen aus allen Herren und Damen Ländern dieser Erde. Nicht ganz so exotisch wie in Dubai aber schon recht bunt.

Fazit

Grab von Karl M.Nie wieder Urlaub nördlich der Alpen. Da es fast die ganze Zeit geregnet hat und dieser Urlaub buchstäblich ins Wasser gefallen ist, kann es nur das eine Fazit geben. So ist es rausgeschmissenes Geld und wir hätten dafür auch eine Woche in Kroatien tauchen können.
London selber ist wohl ganz nett, aber man braucht seinen Rückzugspunkt und kein Bett über einem lauten Pub.
Auf der Druchreise würde ich dort nochmals für drei Tage bleiben, aber keinen Extra-Trip mehr hin wagen. Shopping ist dort auch nicht besser als in München und Dank Amazon kann man alles überall kaufen.
Wir haben diese Jahr drei Hauptstädte gesehen, Male, Dubai und London und auf Platz 1 liegt mit Abstand Dubai. Aber bei dem Wetter dort auch kein Wunder…

Ach ja, mehr Fotos gibt es hier: klick